John Barnes
Orbitale Resonanz
Heyne 06/5423, Originaltitel: ORBITAL RESONANCE, USA: 1991, BRD: 1996, Übersetzung: Marlin Gilbert, 283 Seiten
Rezensent: Andreas Nordiek
John Barnes war mir bis dato ein völlig unbekannter Autor. Aufmerksam geworden bin ich durch die Veröffentlichungen seiner Romane bei Heyne, die rasch aufeinander folgen, und einem Interview in LOCUS 427. Bei dem hier vorliegenden Roman handelt es sich um eines seiner älteren Werke.
Die Story wird aus der Sicht von Melpomene Murray geschildert,einem jungen Mädchen, welches auf einem Asteroiden lebt, der zu einem großen Raumschiff ausgebaut wird. Diese Aufgabe ist gigantisch und erfolgt über mehrere Jahrzehnte. Mel schreibt über ihr Leben in der Schwerelosigkeit. Sie schildert die alltäglichen Begebenheiten und die überraschenden Veränderungen, denen sie und ihre Freunde begegnen. Das ganze soll dazu dienen den Menschen auf der Erde das Leben im Weltraum zu verdeutlichen. Um ihnen zu zeigen, daß hier ebenfalls Menschen existieren, wenn auch unter ganz anderen Bedingungen. Ihr Bericht soll Verständnis wecken für das Leben im Weltraum, welches sich so kraß von dem auf der ausgebeuteten Erde unterscheidet.
Barnes gelingt ein eindringlicher Bericht, wie sich eine Gesellschaft im Weltraum enwickeln könnte. Auch wenn manches ein wenig übertrieben anmutet, ist solch eine Lebensweise durchaus denkbar. Im Weltraum wird man sicherlich nicht mit den irdischen Gesellschaftsformen zurecht kommen. Man wird sich dem Vakuum und den beengten Bedingungen einfach anpassen müssen. Eine neue Lebensart und ein anderes Lebensverständnis wird sich entwickeln. Insoweit ist die Handlung für mich durchaus eine Option auf die kommenden Jahrzehnte.
Mel und ihre Freunde, die fast allesamt im Weltraum geboren wurden, gehören einer neuen Generation der Spezies Mensch an. Ihre Entwicklung ist ganz anders verlaufen als die ihrer Eltern. Dies war bis zu einem gewissen Teil geplant, aber diese Planung konnte natürlich nicht alles berücksichtigen. Auch heute kann wohl keiner voraussagen, wie sich ein Zusammenleben im Weltraum entwickeln würde. Jeder Prozeß dürfte irgendwann außerhalb der gewünschten Bahnen verlaufen.
Barnes Roman beinhaltet einige interessante Ideen. Sicherlich werden diese in der hier dargebrachten Form nicht eintreten, da die technischen und finanziellen Voraussetzungen für eine Besiedlung von Asteroiden nicht in Sicht sind. Dennoch ein durchaus unterhaltsamer Roman.
Andreas Nordiek